Der Kruger Nationalpark und die Rückreise - Strom wird überbewertet
In den letzten 4 Tagen waren wir im Kruger Nationalpark, dem wohl bekanntesten Park für Safaris auf der Erde mit einer Fläche von 2 Millionen Hektar. Nur mal so nebenbei - Thüringen hat eine Fläche von knapp 160.000 Hektar. Wie im letzten Eintrag beschrieben, sind wir nach Mpumalanga geflogen. Das ist ein unaussprechlicher Ort knapp außerhalb des Parks mit einem total knuff`schen Flughafen:
Nach der Landung liefen wir zu Fuß bei 40 Grad 300 Meter bis zum kultigen Flughafengebäude
In Mpumalanga (JEDES VERDAMMTE MAL UNTERSTREICHT MIR HIER WORD DIESEN ORTSNAMEN WEIL KEIN VERDAMMTER OCHSE JE NACH MPUMALANGA FLIEGT UND DAS WORT MICROSOFT UNBEKANNT IST !!! - sorry das musste jetzt raus)
also.... am Zielort gab es genau 2 Autovermietungen. Der komplette Flieger war bumsvoll mit Safari-Touristen, die natürlich alle einen Mietwagen in MPU.....ach halt, da dort im Zielflughafen abholen wollten.
Dementsprechend vermutete ich, da ich mich noch an die Bearbeitungszeit bei SIXT in Kapstadt erinnerte, eine Mörderschlange. Nach dem Flug noch 3 Stunden auf das Auto warten wollten wir Tilda bei den Temperaturen nicht antun. Hier zahlt es sich aus mit Susan eine mega fitte und selbständige Ehefrau zu haben. Als alle anderen Touristenpärchen auf das Gepäck warteten stürmte ich bereits raus aus dem Gepäckraum und hin zu Avis, wo wir unseren Wagen abholen wollten. Es war "nur" eine kleine Schlange von 3-4 Leuten vor mir. Exakt vor mir, da nur mit Handgepäck gereist war Jason aus San Jose in Kalifornien.
Jason kannte ich bereits aus dem Flugzeug, da er typisch für Amerikaner, eine Reihe vor mit sitzend seinem Sitznachbarn lauthals seine komplette Lebensgeschichte ungefragt erzählt hatte. Besonders stolz war er darauf, dass er 4 Fremdsprachen sprechen konnte (konnte er nicht), und bereits 9 Länder bereist hat (Mathilda hat mit 3 Jahren bereits mehr, du Trumpwählender Minimalist). Dennoch war mir Jason aufgrund seiner offenen Art irgendwie sympathisch, er kannte sich im US Sport gut aus, wir kamen ins Gespräch.
Irgendwann war dann auch Jason nach 30 Minuten Wartezeit dran. Susan hatte mittlerweile Gepäck und Mathilda auf einem Gepäckwagen bis zum Avis Schalter gewuchtet. Jason bekam, genau wie wir in Kapstadt, einen Toyota Cross als Mietwagen. Ich musste schmunzeln.
Bild in der Schlange bei Avis, im weißen T-Shirt ist Jason
Schließlich waren wir endlich dran. Hinter mir war die Schlange mittlerweile 30 Meter lang, oder in südafrikanischer ´Maßeinheit: 3 Stunden. Wir hatten in MPU...ach ihr wisst schon - eine bessere Autokategorie gebucht mit Allradantrieb. Der Kruger Nationalpark ist gerade auf den Nebenstraßen sehr uneben und teils schwerer zu befahren. Zudem mussten wir wirklich viel Gepäck transportieren. Ich fühlte mich sicherer mit dem Gefühl, dass alle 4 Bemmen Dunst nach vorne geben können (ich komme vom Dorf, man spricht hier so) Ich übergab meinen Führerschein an den netten Sachbearbeiter "Mthabisi". "Mthabisi aus Mpamalunga" (jetzt rastet mein Word grad richtig aus, ich habe noch nie so eine lange rot-unterstrichene Linie gesehen)
Mthabisi begann zu tippen, doch nach 30 Sekunden bekam er einen Anruf auf sein Funkgerät, entschuldigte sich und rannte nach draußen. Er musste irgendetwas auf dem Parkplatz von Avis regeln. Ich war tiefenentspannt mittlerweile komplett im afrikanischen Rhythmus angekommen - ich nehme sowas einfach nicht mehr ernst. Nach 5 Minuten kam er wieder, entschuldigte sich tausend mal und tippe weiter.
Er wurde plötzlich kreidebleich da er scheinbar erkannt hatte, dass ich ein Avis "President" bin. Jetzt klingt das viel spektakulärer als es ist. Es heißt einfach nur, dass ich dort oft Autos anmiete. Es bedeutet auch, dass ich bevorzugt behandelt werde und ein Upgrade auf ein besseres Auto bekomme. "Mthabisi aus Mpamalunga" (hab es mittlerweile per Copy-Paste als Tastenkombination verfügbar) entschuldigte sich nochmals für die Verzögerung. Ich sagte, dass sei alles ok für mich, aber meine Tochter ist ja so furchtbar ungeduldig und zeigte auf "Nala" im Hintergrund. Wir würden uns aber über ein geräumiges Auto für die Fahrt freuen.
"Mthabisi aus Mpamalunga" kramte einen Schlüssel aus dem großen Kasten hervor und wir waren plötzlich stolzer Besitzer eines Toyota Fortuner. Ein Japanisches Monster mit 2,4 Litern Hubraum, Allradantrieb und so viel Platz wie in der durchschnittlichen 3-Raumwohnung in Sömmerda. Zudem war das Vehikel so hoch, dass man eine eigene Einstiegsleiste und einen Haltegriff zum betreten der großen Reisschüssel brauchte.
Mathilda war happy, da das Auto per Bluetoothverbindung Bibi Blocksberg abspielen konnte. Susan war auch happy, sie mag große Autos. Ich hatte in bisschen Respekt diesen Panzer im Linksverkehr zu fahren, würde mich aber schon dran gewöhnen. Wir wuchteten unser Gepäck in den Toyota, Mathilda nahm vorne neben mir auf dem Kindersitz platz und wir wollten losfahren als ich 2 Autos neben mir, auf dem Parkplatz von Avis Jason wild gestikulierend in seinem Toyota Cross sah.
Ich ging rüber zu Ihm. "Peter, ob du es glaubst oder nicht, ich bin zu dumm die Handbremse von der Karre zu lösen." Ich lachte, erzählte kurz meine Geschichte aus Kapstadt, half ihm und wir fuhren gut gelaunt zu unserer ersten Lodge.
Unser neuer Toyota-Panzer
Eine ganzes Naturreservat für uns - die ersten 2 Tage im Nationalpark
Unsere Fahrt führte uns zunächst rund 1,5 Stunden in ein privates Naturreservat mit einer schönen Lodge außerhalb des Parks. Warum außerhalb des Parks ? Wir hatten von diversen Freunden den Ratschlag bekommen, gerne beides - Unterkünfte innerhalb und außerhalb des Parks zu versuchen. So fiel unsere Wahl auf die Unyati Safari Lodge.
Was war denn grundsätzlich unsere Erwartungshaltung an den Nationalpark ? Sie waren ehrlich gesagt recht niedrig und realistisch. Es ist im Moment Sommer in Südafrika, das heißt viel Niederschlag, viel grün. Viel grün bedeutet sehr viel Flora, viele hohe Pflanzen sprießen. Ergo kann man nicht so weit gucken um Tiere zu erspähen. Natürlich ist die Flora schön, aber wenn ich mich entscheiden müsste zwischen einem schönen grünen afrikanischen Busch und einem Leoparden dann würde Leo ganz locker gewinnen. Wir hatten also insgeheim gehofft, schon ein paar Tiere oder gar Jungtiere (es ist gerade dafür die richtige Zeit im Moment) zu sehen. Wir wussten aber, dass es schwer werden würde, so seltene Tiere wie Flusspferde oder Löwen zu sehen. Mathilda hatte vor allen Dingen Lust darauf Hyänen zu sehen. Susan präferierte Flusspferde und ich Löwen. Keiner von uns hatte jemals eine Safari gemacht, wir hatten keine Ahnung wie schwierig es werden würde überhaupt mal ein Tier zu sehen. Im schlimmsten Fall fahren wir halt sinnlos durch die Savanne und hören die neusten Geschichte von Familie Blocksberg. HEX HEX
Wir fuhren in das private Naturreservat, welches 400 Hektar groß ist ein und ungelogen 200 Meter später stand eine Giraffenmutter mit ihren vermutlichen Zwillingen am Wegesrand und schlabberten uns mit ihrer blauen Zunge entgegen. Hier entstand auch folgendes Video
Wir kamen wenig später an der Lodge, welche aus sehr schönen Zelten und wenigen Chalets bestand, an. Wir checkten am späten Nachmittag ein und packten erst mal aus. Wir hatten uns für ein Chalet entschieden, weil sie geräumiger waren und wir uns weniger Moskitos ausgesetzt zu sein hofften. Wie wir erfuhren, waren wir mit einem weiteren Pärchen die einzigen Gäste des gesamten Reservats und am Folgetag sogar die einzigen Gäste überhaupt. Irgendwie fühlte es sich unangenehm an, umgeben von - wie immer in Südafrika - sehr viel Personal wie auf dem Präsentierteller zu Frühstücken und zu Abend zu essen. Aber es war eben auch dadurch, ein sehr persönliches und exklusives Erlebnis.
Ein Teil des Areals von oben
Unser Chalet
Die Luxuszelte
Am Folgetag tuckelten wir mit unserem japanischen Großraumbus nach dem Frühstück Richtung "Crocodile Bridge" und fuhren gegen 10 Uhr in den Kruger Nationalpark ein.
Die schmale Brücke muss man erst mal mit dem japanischen Panzer überqueren
Ich hatte grob eine Route für den ersten Tag geplant - über teilweise geteerte Straßen aber auch komplette Offroad-Feldwege.
Bereits nach wenigen Minuten im Park waren wir total Baff wie viele Antilopen, ("Zauberrehe" laut Mathilda), Elefanten, Giraffen und Zebras wir hautnah neben uns erspähen konnten.
Zauberrehe ?
Eine Elefantenfamilie wollte vor uns die Straße überqueren
Gnus
Susan hatte die Hoffnung irgendwann mal Flusspferde im Laufe der Zeit im Park zu sehen. Warum genau Hippos ? Keine Ahnung, ich glaube wir finden diese riesigen Tiere mit den kleinen Wackelöhrchen einfach interessant. Beim überqueren einer Brücke mitten im Park sahen wir zu unserer großen Freude sogar 2 Flusspferde und konnten unser Glück kaum fassen.
Voller spannender Eindrücke kamen wir am Abend wieder in der Lodge an und waren die einzigen Gäste zum Abendessen. Wir holten uns noch ein paar Tipps für Routen der Folgetage ab. Wir bemerkten, dass wir alle leicht platt aufgrund der vergangenen Tage waren und hatten auch aufgrund von Moskitos nicht die besten Nächte. Folglich schliefen wir am Folgetag aus. Mathilda und ich planschten noch eine Runde im Pool mit Blick über das Reservat und erst gegen frühen Mittag brachen wir die Zelte in der Lodge ab.
Die morgendliche Poolrunde im Reservat
Tägliche Routenplanung
In der Folgenacht wollten wir im Camp namens "Berg en dal" eher rustikal übernachten. Nach einem weiteren ereignisreichen Tag kamen wir spätabends im Camp an. Die Zimmer hatten den Charme eines durch die FDGB organisierten Feriencamps und waren mega spartanisch eingerichtet. Hey ITS ALL PART OF THE EXPERIENCE dachten wir uns und machten im Camp, von hohen Elektrozäunen umgebenen, noch einen kleinen Spaziergang zum Wasserloch.
Ein typisches Haus im Camp
Das Haus von innen
Am Wasserloch sahen wir nochmals in der Distanz eine Flusspferdmama und ein glückliches Flusspferdbaby (also ein "Happy Hippo" im Prinzip, sorry der Flachwitz musste sein).
Kalt lief es uns den Rücken runter, als wir dann kurz danach sehr lautes Löwengebrüll aus der Distanz hörten. Susan und ich schauten uns an, wir wussten beide ohne es aussprechen zu müssen, dass wir Tilda nicht erklären würden, dass dies ein Löwe, vermutlich direkt hinter dem Elektrozaun, war.
Wir machten uns bettfertig. Vom Badezimmer aus hörte ich wieder sehr lautes Löwengebrüll. Ich kam zurück ins Schlaf-, Wohn,- Ess-, FDGB-Zimmer, Susan hatte die Toniebox von Mathilda lauter gedreht um das Gebrüll zu überspielen. Endlich mal Elsa von Frozen und keine Bibi Blocksberg dachte ich mir. In der Ecke des Zimmers kroch eine recht große Echse umher. Die Klimaanlage war eher eine Luftumwirbelungsanlage aus den 70ern. Ab und zu fiel mal der Strom aus. Kein Strom, Elektrozaun als Schutz, Löwengebrüll.... diese Kombination fanden wir unterdurchschnittlich toll. Wir hatten folglich keine sonderliche tolle Nacht.
Wie passend war es, dass wir uns sowieso vorgenommen hatten um 6 im Auto zu sitzen. Warum so früh ? Die Tore der Camps im Park selbst öffnen gegen 5:30. Wenn man bei Sonnenaufgang unterwegs ist, hat man eine höhere Chance die eher nachtaktiven Tiere zu sehen (Hyänen, Löwen etc). Wir schluckten also die bittere morgendliche Pille und fuhren im Nippon-Allradler los. Zunächst versperrte uns ein Elefant für locker 20 Minuten die Hauptstraße, da er auf selbiger gerade frühstückte. Im Nationalpark haben Tiere IMMER Recht und folglich warteten wir eben...
Der Frühstückselefant - am Ende des Videos hört man auch gut, wie wir die Flucht nach hinten antraten
Ich muss zugeben, ich hatte vor allem Lust die großen Wildkatzen mal live zu sehen. Jetzt waren wir bereits am letzten Tag der Safari angekommen und wir hatten noch keine Leoparden, Geparden oder Löwen gesehen. Wir fuhren bewusst Strecken ab, die von Löwen oft durchquert werden. Nach 2 Stunden Fahrt winkte uns ein entgegen kommendes Auto heran. "Fahrt hier die Straße weiter, an der Kreuzung biegt rechts ab, dort sind LÖWEN!!!". Es gehört scheinbar zum guten Ton im Park, dass wenn man seltene Tiere sieht, man anderen gerne Bescheid gibt. Tolle Sache.
Wir fuhren den Weg weiter, eine Kreuzung wollte einfach nicht kommen. Nach 20 Minuten Fahrt auf einem bergigen Feldweg kamen wir an besagter Kreuzung an. Der Toyota bog mit dem Wendekreis der AIDA um die Kurve und wir fuhren weiter. Auf einer kleinen Kuppe sahen wir eine Giraffe neben der Straße, welche gebangt und angespannt in das Tal schaute. Wir dachten uns nichts dabei und 100 Meter weiter schrie Susan plötzlich "LÖWEN" - ich bemerkte gar nicht wie 30cm neben der Straße und somit ganz knapp neben dem Toyota eine Löwin lag, die ich nahezu überfahren hätte. Sie schaute mich nörgelnd an (also die Löwin, nicht Susan) und begab sich dann einen halben Meter weiter weg wieder in ihre Beobachtungsposition.
Ein Rudel aus 4 Löwinnen und einem Löwen saßen direkt neben dem Feldweg und beobachteten die Giraffe. Scheinbar warteten sie auf den richtigen Moment zum Angriff.
Die Löwinnen
Der Löwe überlies den Damen die Arbeit und ruhte sich im Dickicht daneben aus
Es war wirklich unglaublich diese beeindruckenden Tiere live und in Farbe zu sehen. Wir verweilten für eine halbe Stunde. An der Patt-Situation der Löwen und der Giraffe änderte sich nichts. in regelmäßigen Abständen prüfte ich ob alle Türen verschlossen - und die Fenster oben waren. Irgendwie fühlt man sich ja dennoch ein wenig unsicher.
Auf der Weiterfahrt nach 1-2 Kilometern winkte uns wild gestikulierend eine ältere Dame heran. Sie war mit ihrem recht kleinen Mietwagen in einer Bodenwelle aufgesetzt und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Sie fragte ob, ich sie kurz rausziehen könne. Wir hatten jedoch kein Seil oder ähnliches mit und vor allen Dingen hatte ich mal gar keinen Bock irgendwo neben den Löwen auszusteigen. Wir boten der ältere Dame aus Johannesburg mit französischen Wurzeln an, sie mit ins nächste Camp zu nehmen, sodass sie sich dort Hilfe holen konnte. Gemacht getan, 2 Euro für unser Karma-Schweinchen. Bibi Blocksberg ist nun auch in elitären französischen Kreisen Johannesburgs bekannt.
Wir fuhren noch für ein paar Stunden im Park umher. Sahen noch zahlreiche Tiere (Impalas, Weißkopfadler, Aasgeier, Warzenschweine) und traten dann die halbe Strecke Richtung Johannesburg an.
Pumba
Die Zeit im Nationalpark war phantastisch, anstrengend und deutlich aufregender als wir es uns vorgestellt hatten. Mathilda war sehr aufmerksam und wenn sie es mal nicht sein konnte, dann hatte Susan immer ein Entertainmentprogramm in der Hinterhand oder Mathilda schlummerte schlichtweg auf der Rückbank. Fairerweise muss man sagen, dass wir in den 3 Tagen nur maximal 10% des Parks sehen konnten. Jedoch haben wir einen ersten tollen Eindruck gewonnen und können uns sicher vorstellen nochmals auf Safari zu gehen.
Ein mal Landadel und wieder zurück - Das Gooderson Kloppenheim Hotel
Die 5 stündige Fahrt nach Johannesburg teilten wir, wie beschrieben, in 2 Hälften und buchten uns eine Nacht in einem Hotel ein wenig ab vom Schuss ein. Ich hatte ehrlich gesagt nicht viel recherchiert - das Hotel sah landschaftlich phantastisch aus, hatte solide Bewertungen, lag auf der Hälfte der Strecke und hatte einen Pool (für Tilda immer gut). Es war mit 80 Euro auch annehmbar bepreist.
Als wir von der Südafrikanischen Autobahn abfuhren wuchs die Vorfreude. Weit entfernt, auf der Spitze eines Berges konnten wir unser Hotel, nein unseren Landsitz, bereits erkennen. Wir fuhren 20 Minuten nur bergauf durch Wiesen, vorbei an Seen und über Serpentinen bis wir im an der "Rezeption" angekommen waren. Der Ausblick war der absolute Kracher, das Anwesen versprühte den Charme eines britischen Landadel-Sitzes gemixt mit Django Uchained-Flair auf einer neuen Version der "Dallas"-Ranch.
Das Anwesen bestand aus diversen Chalets rund um mehrere Seen, hatte seinen eigenen Golfplatz, Tenniscourts, Fliegenfischsee, Pub, Bibliothek und Hochzeitshaus. Auch hier waren wir die ersten Gäste, die hier an besagtem Tag eingecheckt haben. Beim Check in wurde uns gesagt, dass es aktuell keinen Strom gab. OK! Man wusste auch nicht, ob der Strom noch mal zurückkommen würde am gleichen Tag. hmmm... uncool mit Kleinkind, aber ok. Man sagte uns, dass wir auch in ein anderes, Chalet ziehen könnten. Dies wäre mit einem Generator verbunden und man hätte abends noch ein bisschen Strom.
Das Anwesen
Unser eigentlich gebuchtes Haus
Die Bibliothek/Bar
Die Rezeptionshalle
Wir bekamen unseren Schlüssel. Da unser Chalet, nein unser Haus, so weit weg von der Rezeption lag mussten wir, mit dem Auto 5 Minuten über das Anwesen fahren, um es zu erreichen. Das Haus würden wir genau so kaufen. Mitten im Grünen, toller Ausblick über das Tal. 2 Schlafzimmer, 2 Bäder. Küche, Terrasse, Carport alles da. Nur eben kein Strom. Ach und die Terassentür konnte man nicht verschließen. Egal, wir packten unsere Klamotten aus.
Es wurde langsam etwas düster und es klopfte an der Tür. Ein Mitarbeiter übergab uns 2 große Taschenlampen für die Nacht. Die Hoffnung auf die Rückkehr des Stroms war wohl recht gering. Susan und ich einigten uns, dass wir in das Generator-Haus wechseln wollten. Mit Mathilda ist das dann doch etwas einfacherer und sicherer. Wir packten unsere Klamotten wieder ein. Fuhren 5 Minuten zur Rezeption und erhielten einen neuen Schlüssel. Erst jetzt sagte man uns, dass das neue Haus nur ein Schlafzimer habe - und man kein weiteres Bett reinstellen könnte - nur ein Babybett. Mathilda hatte natürlich wenig Bock darauf wie ein kleines "Baby" zu schlafen. Es lief also auf Kind im Ehebett hinaus. Dafür Strom, man nimmt, was man kriegen kann.
Wir gönnten uns einen Drink an der Bar und aßen eine Kleinigkeit im Restaurant. Der Generator war mittlerweile gestartet worden. Danach bezogen wir unser neues Haus. Es war wirklich signifikant kleiner. Ja, die Nacht war unruhig da sich Mathilda wie ein Glühwürmchen ständig drehte. Aber jetzt mal ganz ehrlich - in so einem krassen Hotel mit dem Ausblick sind das nun wirklich Probleme mit denen man leben kann. Wir stiefelten am nächsten Morgen zum Frühstück. Die Sonne schien, der Ausblick war über Nacht nicht schlechter geworden. Susan und ich bestellten á la carte. Mathilda wollte nur 2 hart gekochte Eier. Warum auch immer - aber Mathilda liebt hart gekochte Eier und hat eine seltsame Obsession mit Ihnen. Susans und mein Essen kam, Mathildas Eier jedoch noch nicht. Mathilda wurde unzufriedener. Ich erinnerte die Servicekraft nochmals freundlich an die Eier - ich meine es ist nicht so als würden hier 400 Gäste sitzen, oder ?
Nach weiteren 15 Minuten kamen die Eier endlich. Mathilda und Susan waren bereits gegangen, da sie auf Toilette musste. Ich packte die Eier ein und ging auch - der Servicekraft mit Dorie -Syndrom war das sichtlich unangenehm.
An dieser Stelle hätte ich in Deutschland oder allgemein der westlichen Welt wohl ein richtiges Fass aufgemacht:
- Kein Strom
- schlechte Kommunikation der Rezeption
- Downgrade in ein kleineres Zimmer/Haus
- Ein Haus, welches sich nicht verschließen lässt
- Inkompetenz der Bedienung
Aber wir waren in Südafrika. Man muss die Imperfektion lieben. Wir waren weiterhin in einem landschaftlich unsagbar schönen Anwesen. Die Angestellten geben in Ihrem Rahmen mit Sicherheit das allerbeste und sind superfreundlich. Nein danke, wir nehmen lieber die tollen Erinnerungen an den Ausblick mit, teilen die Geschichte hier im Reisetagebuch und müssen sicher in ein paar Wochen darüber schmunzeln. Würden wir das Hotel empfehlen ? Definitiv, wenn man sich mal wie der Duke von Südafrika fühlen möchte.
Johannesburg und der Rückflug
Nach dem oben beschriebenen Frühstück packten wir unsere Sachen und fuhren die letzten 2,5 Stunden nach Johannesburg. Johannesburg ist mitten im Land, hat 5,6 Millionen Einwohner und ist vor allem aufgrund seiner Vorräte an Bodenschätzen eine sehr schnell wachsense Stadt. Leider hat Johannesburg auch deutlich mehr mit Kriminalität zu kämpfen und ist weniger touristenfreundlich.
Folglich buchten wir uns ein gutes Hotel inmitten des sicheren und modernen Bankenviertels "Rosebank". Wir checkten in das Hotel ein, ich gab den Mietwagen zurück. Nach einem Familienennickerchen gingen Mathilda und Susan in ein "Museum der Illusionen" und ich holte ein wenig meinen Arbeitsrückstand auf.
Abends machten wir in bester Manier einfach einen ganz relaxten Filmabend und bestellten uns ein paar Snacks aufs Zimmer. Den großen Hunger hatten wir bereits in der hoteleigenen Business-Lounge gestillt.
Am Folgetag stand unsere Rückreise an. Blöderweise gab es nur noch Business-Class Sitze für Meilen auf dem ganz späten Flug von Swiss Airlines um 23:50. So ein später Abflug ist natürlich toll, wenn man noch den vollen Tag genießen will - es wird jedoch herausfordernd wenn man mit einer 3-jährigen reist und um 12 bereits aus dem Hotelzimmer muss. Wir packten unsere Koffer ganz in Ruhe am morgen und gaben sie im Hotel zur Aufbewahrung ab. Genau wie in Kapstadt buchten wir eine Hop on - Hop off Tour in einem roten Doppeldeckerbus. Wir interpretierten die Tour eher als "Hop-on und bleib on bis zur Endstation-Tour". Sprich, wir fuhren in der oberen Etage sitzend knapp 2,5 Stunden durch Johannesburg, lauschten den Erklärungen des Informationssystems an Board des Busses und lernten somit Johannesburg wenigstens ein bisschen kennen. Nach einem kleinen Mittagsessen machte Mathilda ein Nickerchen im Kinderwagen und Susan und ich konnten noch ein wenig für die Familie und Freunde Souvenirs shoppen gehen. Ich deckte mich vor allem mit diesen unfassbar tollen Sportsocken ein. Wenn meine Gegner jetzt nicht vor Ehrfurcht vor mir am Tischtennistisch erstarren, weiß ich auch nicht mehr:
Der Tag zog sich ein wenig wie Kaugummi. Gegen 17:30 beschlossen wir bereits Richtung Flughafen aufzubrechen. Wir bestellten ein extra großes Uber, da wir mittlerweile wirklich viel Gepäck hatten.
Wir fuhren 45 Minuten durch den Stau zum Flughafen. Es regnete, es schien fast so als würde Südafrika ein wenig traurig sein, dass wir es verlassen würden. Ehrlich gesagt, waren wir es auch.
Am Flughafen angekommen, zeigte sich wieder das authentische Südafrika: Chaotisch, Charmant, unorganisiert, pragmatisch und ohne Strom. Stromausfall am Flughafen. Auch nicht schlecht.
Ein bisschen Hoffnung hatte ich, dass wenn ich den Simba-Move mit Mathilda zelebrieren würde, wir kostenlos auf einen früheren Flug nach München oder Frankfurt umgebucht würden können. Wir gingen in der Dunkelheit durch den Flughafen zum Swiss/Lufthansa Schalter. Gleiches Spiel wie immer - wir sahen alle 3 aus wie eine Familie aus dem Rieth - man wollte uns erst nicht zum Business Class Schalter durchlassen. Wir zeigten unsere Tickets doch die Dame sagte recht unfreundlich: "Sie sind zu früh, sie können erst in 2 Stunden für ihren Flug einchecken"
Ungünstig, Mathilda in der Stromausfalldunkelheit einfach mal so 2 Stunden zu bespaßen würde herausfordernd werden. Die Dame war auch leider Vorstandsvorsitzender im Verein für kinderunfreundliche Single-Frauen. Sie beeindruckte es gar nicht, dass wir mit Kleinkind unterwegs waren. Jetzt musste ich den nächsten Joker ziehen: Meinen Vielfliegerstatus. Ich fragte die gute Frau freundlich, ob sie denn die Eincheckregeln der Star Alliance kennen würde. Sie erwiderte diese seien ihr bewusst, sie würden aber in Johannesburg nicht gelten.
Ich fragte freundlich nach ihrem Vorgesetzten, eine weitere Dame erschien. Ich fragte ob es stimmen würde, dass von allen Flughäfen auf der Welt es lediglich in Johannesburg nicht für Lufthansa Senatoren möglich wäre, früher einzuchecken und präferiert behandelt zu werden. Eigentlich hasse ich so ein Gefasel, aber mit Tilda im Gepäck ist es etwas anderes. Die junge Dame stimmte mir zu, wir durften unser Gepäck einchecken.
Es war leider aufgrund eines Systemfehlers nicht möglich uns auf einen früheren Flug umzubuchen. SYSTEMFEHLER? Ach...ich hatte keine Lust mehr mich zu streiten. Da einer unserer Koffer signifikantes Übergewicht hatte, wandte ich den guten alten Gepäck-nur-teilweise-auf-die-Waage-Trick an. Der "Bauch" des Koffers lag noch solide auf dem Rahmen des Gepäckbandes. Aus 29 Kilo wurden 23. Wir mussten nix draufzahlen. Nicht nur einen buschigen Schwanz musst du haben, sondern Fuchs musst du sein.
Unsere kreative Wiegemaßnahme in Johannesburg am Check in Schalter
Um noch Plätze nebeneinander zu bekommen mussten wir noch darum bitten, dass andere Gäste umgesetzt werden würden. Hier seht ihr Mathilda und Susan im "Simba Move" live um genau das anzufragen:
Da Stromausfall war, lief das Gepäckband auch nicht. Wir mussten die Gepäckstücke also alle labeln, aber dann neben das Band stellen. Hier standen bereits extrem viele Gepäckstücke. Keine Ahnung, wer hier noch den Überblick behielt. Uns war es egal, es ist eben Afrika. Es wird schon gut gehen, wir konnten Richtung Lounge aufbrechen.
Unser Gepäck irgendwo neben dem Schalter in einem der Gänge
In der Lounge hatten wir nun noch locker 4 Stunden zu überbrücken bis zum Boarding. Nach einem kleinen Snack und Cocktail gingen Mathilda und Susan nochmals Souvenirs shoppen. Da wir Mathilda leider nicht den Wunsch erfüllen konnten eine Hyäne live im Nationalpark gesehen zu haben, kauften wir ihr wenigstens eine Variante, die wir mit nach Hause nehmen konnten.
Die Wildhund-Hyäne
Die Lounge wurde später immer leerer, unsere Akkus auch. Zum Glück durften wir dann gegen 23 Uhr in das Flugzeug einsteigen. Wir hoben pünktlich ab. Nach einem kurzen Snack pennten wir 3 alle ein. Mathilda und ich schliefen von den 12 Stunden Flugzeit 10 Stunden tief und fest.
Mathilda und Susan machen sich mit dem Sitz vor dem Start vertraut.
Kurz vor der Landung in Zürich gab es noch eine heiße Schokolade für Mathilda. Wir landeten überpünktlich.
Kurzer Zwischenstopp in Zürich vor dem Weiterflug nach Frankfurt
Wir flogen nach Frankfurt weiter, wo wir gegen Mittag landeten und gleich einen Temperaturschock bekamen. Wir mussten vom Flugzeug aus zu einem Bus laufen und unsere südafrikanischen Astralkörper erfroren fast. Der ICE fuhr unüblicher weise pünktlich. Marcel holte uns wieder ab. Wir waren wieder zu Hause.
Unser Fazit - Unser erstes Abenteuer zu dritt
Susan und ich sind beide schon recht viel gereist. Jedoch glauben wir beide, das dieser Urlaub der insgesamt schönste bisher für uns war. Die Begeisterung bei Erlebnissen im Urlaub nochmals durch die Augen des eigenen Kinders zu erleben ist etwas besonderes. Wir denken, wir haben für unsere Familie einen guten Mittelweg gefunden. Zwischen Abenteuer und Entspannung, zwischen Tempo und austrudeln lassen. Wir hoffen, dass Mathilda nicht nur zahlreiche Erinnerungen mitnehmen konnte, sondern wir langsam in ihr das Verständnis und das Interesse wecken für andere, uns fremde Kulturen und Regionen auf der Welt.
Südafrika ist ein Land mit großen Herausforderungen, aber die Südafrikaner haben ein mindestens ebenso großes Herz. Dies Region der Erde ist ebenso facettenreich wie komplex und wir konnten natürlich nur an der Oberfläche kratzen. Was dort aber zum Vorschein kam, hat uns sehr gefallen.
Wir sind ein ziemlich gutes Dreiergespann wie sich mittlerweile rausstellt. Susan ist ein tolles Organisationstalent, schafft es immer wieder, dass Mathilda sich auch in der Fremde ein bisschen zu Hause fühlt und zeigt uns dennoch ständig wie sehr man die Erlebnisse um uns herum genießen kann. Sie schafft es 29 Kilo Klamotten in einen handelsüblichen Koffer zu falten - sie sollte Origamicoach werden. Mathilda ist mittlerweile wenn es um das Reisen geht einfach ein alter Hase geworden. Sie rennt als erster in das Flugzeug oder Hotel hinein. Sie springt als erste auf dem Hotelbett herum oder klettert schnurstracks auf den höchsten Stein auf dem Tafelberg. Das macht das Reisen mit ihr einfach und ihr dabei zuzuschauen macht uns allein schon happy. Ja und ich bastele eben gerne solche Reisen für uns zusammen. Reisen auf denen mir die beiden Mädels folgen und nahezu blind vertrauen, dass das schon gut wird.
Uns ist bewusst, dass solche Reisen für viele nicht finanziell machbar sind oder eben einfach zu abenteuerlich, gerade mit kleinen Kindern. Genau deshalb wünschen wir uns, dass wir es vielleicht geschafft haben, euch als Leser, mit unserem Reisetagebuch ein kleines bisschen mit nach Südafrika genommen zu haben. Vielleicht haben wir es geschafft euch ab und zu ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern oder eure Reiselust geweckt zu haben.
Vielen Dank für das Lesen und die zahlreichen digitalen Interaktionen mit uns. Im Moment als wir diese Zeilen verfassen wurde das Tagebuch bereits unglaubliche 6.500 mal aufgerufen. Das motiviert uns natürlich, euch auch auf unsere nächste Reise mitzunehmen.
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