Wir sind nun bereits 5 Tage in Kapstadt Zeit für einen lockeren Rückblick auf unsere Anreise...
Die Vorbereitungen umfassten natürlich auch, dass wir Mathilda auf das Kommende einen Ausblick geben wollten. Speziell Susan gab sich wie immer mit dem (Rester)-Essen und den Spielen zu Hause besonders Mühe.
Der Abreisetag war gekommen. Als wir gegen 16 Uhr die Haustür verließen startete ich meine Stoppuhr auf dem Telefon, beim Eintreten im Hotelzimmer in Kapstadt stoppte ich die Uhr - es war eine wirklich lange Anreise...
Doch gehen wir das Ganze chronologisch an. Freundlicherweise brachte uns unser Nachbar und Freund Marcel zum Hauptbahnhof in Erfurt. Wir hatten recht viel Gepäck, zum Glück hat Marcel recht viel "Auto" und so passte alles ohne Probleme in den Wagen.
Wir genossen beide einen recht starken äthiopischen Kaffee und wuchteten dann Mathilda und Handgepäck Richtung nächstem Gate. Ich brachte beide an ihren Platz, Simba schlief weiterhin und hatte somit von Äthiopien gar nichts mitbekommen.
Ich verstaute das Gepäck in der Business Class, bevor ich mich auf den "Walk-of-shame" bis tief nach hinten in die Economy-Klasse machte. Reihe 27, Gangplatz. Der Flieger war vollkommen ausgebucht in Economy. Die beiden Plätze innen neben mir waren initial noch frei. Doch dann kam eine junge Frau, vermutlich afrikanischen Ursprungs, komplett in Schwarz gekleidet und verschleiert und bat mich aufzustehen, sodass sie ihren Platz einnehmen durfte. Kurz vor dem Schließen der Türen kam noch Reihennachbar Nummer 2 hinzu. Ein ebenso junger, vermutlich Äthiopischer Möchtegern-Gangster Rapper. Der interessante junge Mann trug sogenannte Grillz. Grillz sind im Prinzip das was im Mund überbleibt, wenn man in relativ heißes Edelmetall beißt und überlebt. Na das konnte ja eine tolle 6-stündige Reise werden.
Wir hoben ab und nach circa einer Stunde wollte ich meine Damen in der gehobenen Klasse besuchen. Ich kämpfte mich vor bis zur Galley, öffnete vorsichtig den Vorhang der finanziellen Rassentrennung doch dann packte mich die Hand einer Flugbegleiterin "Sir, you cannot go there!"
"Ja, doch kann ich. Ich will nur kurz meine Frau und Tochter besuchen." murmelte ich "Sir I am sorry, it is forbidden" wurde mir freundlich klar gemacht.
"Ich werde echt nur 2-3 Minuten gucken ob bei den beiden alles in Ordnung ist und dann komme ich gleich wieder. Ich esse nix, ich trinke nicht. Ich gehe nicht aufs Töpfchen." Versprochen. Nach langer Diskussion durfte ich in die Business-Kabine zu meiner Familie. Ich kam um die Ecke, beide hatten den Sitz zu einem Bett umgebaut und pennten wie die Lämmer. Super, schön, dass ich hier auf 10.000 Metern Höhe diese nutzlose Diskussion geführt habe.
Ich drehte mich wieder um, versuchte den Blickkontakt mit der Flugbegleiterin zu verhindern und setzte mich wieder in die alte Umgebung zur Bestatterin und dem Zentralafrikanischen Nachwuchs-Snoop-Dogg. Ich verbrachte die restliche Flugzeit mit der Arbeit und einem kleinen Nickerchen.
Mathilda wurde schließlich auch mal wieder wach und unterhielt laut Susan die vordere Kabine auch wiederum sehr gut. Alternativ spielte sie die Spiele auf dem Bildschirm, hier machte sich vor allem das Trainingslager in "Angry Birds" bei Uroma Helga bemerkbar. Ich hatte Susan bereits empfohlen, das Äthiopische Nationalgericht "Injera" zu probieren. Man bekommt Injera auf Flügen ab Addis Abeba in der Business Class serviert. Injera sieht recht gewöhnungsbedürftig aus. Ich beschreibe es immer als traurige Eierkuchen, doch Susan hatte eine noch passendere Beschreibung: "Klopapierollen". Eben jene Rollen dippt man mit der Hand in diverse Curryartige Beilagen und hat ein sehr köstliches Mahl.
Mathilda wollte von den Klopapierrollen nichts wissen und aß lieber eine doppelte Portion Nachtisch und Früchte. Es war endlich Zeit zu landen, die Vorfreude stieg, denn selbst der Anflug auf Kapstadt ist bereits der absolute (Ausblicks-)Knaller.
Augenöffnend war sicher, dass neben uns eine alte Iljuschin Maschine geparkt war mit der Aufschrift "Antartica". Wir waren also mittlerweile so weit in der Südhalbkugel angekommen, dass man von hier aus locker in die Antarktis fliegen kann. Beeindruckend....gerade bei den nun herrschenden 30 Grad in Kapstadt.
Wir landeten pünktlich, Susan und Mathilda durften als Erste aussteigen. Wir hatten vereinbart, dass sie gerne bereits Richtung Immigration und Gepäckband vorlaufen sollten. Ich würde mit dem gros des Handgepäcks nachkommen. In Kapstadt kommen oft recht viele internationale Flüge zeitgleich an, sodass die Einreise recht lange dauern kann. Das wollten wir Mathilda nicht nach einem solch langen Flug antun. Ich verabschiedete mich von meinen Sitznachbarn und wünschte Ihnen viel Spaß auf der Beerdigung respektive nächstem Rap-Battle. Als ich bei der Immigration ankam waren Mathilda und Susan bereits nahezu ganz vorne an der sehr langen Schlang angekommen. Der Deutsche in mir kam durch - ich befolge Regeln. Ich stelle mich an. Ich halte mürrisch das Maul. Folglich wurden wir dann erst 30 Minuten später wieder als Familie wiedervereinigt. Susan hatte bereits sogar das ganze Gepäck vom Band gefischt und wir waren ready2go.
Schnell holten wir uns noch 2 Südafrikanische Simkarten und die lokale Währung "Rand" und trafen unseren vorab gebuchten Fahrer "Guershawn". Glaubt mir, Susan und ich haben den jungen Mann locker 24 mal gefragt, wie denn sein Name sei. Wir haben uns schließlich einvernehmlich auf "Guershawn" zum Wohle dieses Reisetagebuchs geeinigt.
Guershawn machte einen guten Job, er war total freundlich und hilfsbereit. Nur hatte ihm seine Vermittlungsfirma wohl eine kleine Fehlinformation übermittelt: Guershawn holte uns mit einem 10-Sitzerbus inklusive Anhänger für Gepäck ab. Er hatte mit einer 10-köpfigen Reisegruppe gerechnet. So hatten wir wenigstens Platz auf dem Weg ins Hotel.
Wir kamen nach 25 minütiger Fahrt in unserem Hotel - dem "Hyatt Regency" an. Der Portier staunte nicht schlecht, als aus dem Bus nur wir 3 Tröpfchen ausstiegen und auch der Anhänger leer war. Ich hatte das Hotel mit Punkten gebucht. Hotelpunkte, welche ich in der "Hyatt" Hotelkette gesammelt hatte. Vor Allem während Aufenthalten in Ulm. Ich kann also in Kapstadt in einem tollen Hotel kostenlos mit der Familie übernachten, weil ich an der Donau beruflich unterwegs war. Immer wieder spannend diese Loyalitätsprogramme.
Ich hatte eine Junior Suite gebucht. Großes Zimmer, Loungezugang, hohe Etage mit Ausblick. Uns schlug gleich beim Betreten des Hotels zum ersten mal die unglaubliche Kinderfreundlichkeit Südafrikas entgegen. Mathilda wurde von jedem Hotelangestellten mit High Fives begrüßt und jeder verwickelte sie in ein Gespräch. Ich witterte meine Chance. Der Simba Move Reloaded - Mathilda schaute über die Theke. Verzauberte die Eincheckfrau und zack hatten wir ein Upgrade auf die größte Suite des Hauses. Diese Suite hat einen eigenen Arbeitsplatz für mich. Einen Esstisch/Konferenztisch, 2 Badezimmer und Schlafzimmer und ist ungefähr so groß wie Erfurt/Gispersleben. Guter Start.
Blick vom Hotel
Nach dem groben Auspacken machten wir uns auf dem Weg etwas zu essen. Südafrika ist so eine dermaßen internationale Stadt mit einem hohen Anspruch an die eigene Esskultur, dass man hier nicht nur sehr gut afrikanisch sondern eben auch sehr gut Asiatisch, Europäisch oder Südamerikanisch essen kann. Wir entschieden uns am ersten Tag für ein kleines Restaurant um die Ecke, welche Ramen, also japanische Nudelsuppen, servierte. Wir schlängelten uns durch ein Café, über eine wacklige Holztreppe bis hoch in den versteckten Raum des besagten Suppenrestaurants.
Auch hier waren wir vor allem vom tollen, unkomplizierten Umgang von allen Gästen und Angestellten mit Mathilda begeistert. Alle machten ihre Späßchen mit ihr, schnell waren von diversen Quellen ein paar Zettel Papier und Stifte organisiert und Mathilda wurde unterhalten. Der Restaurantbesitzer, seines Zeichens optisch eine Mischung aus Johnny Depp und Parodontose war einfach nur klasse. Er hatte sogar spezielle Stäbchen für Kinder im Angebot, sodass Tilda mit uns zusammen die Suppe mit den dicken Nudeln genießen konnte. (Das Restaurant heißt "Bodega Ramen").
Gesättigt und müde fielen Mathilda und Susan ins Bett. Zum Glück ist der Zeitunterschied zur Heimat nur eine Stunde, sodass wir ohne Jet Lag gleich mit Vollgas in den Urlaub starten können. Ich buchte noch schnell ein Hop-on / Hop-Off Busticket für die folgenden 2 Tage und klappte schließlich auch den Laptop zu.
In den folgenden Tagen werden wir über unsere ersten 1.5 Wochen in Kapstadt berichten, welche ein absoluter Traum sind. Danach wird es, versprochen, auch tierreicher und safariger. In diesem Sinne verabschieden wir uns gerne nochmals mit dem Video des Titelsongs von König der Löwen. Denn sind wir mal ehrlich, den Soundtrack summt ihr doch seit der Passage mit dem Simba-Move weiter oben noch leise mit:
Mathilda, Susan und Peter















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